KUNST

Im Pariser Grand Palais habe er bereits ebenso ausgestellt wie im Wiener Phantastenmuseum oder in der Königlichen Akademie zu Barcelona, erzählt Ludwig Valentin Angerer dem geladenen Publikum zu Neuenstadt am Kocher. Doch habe bisher keine der zahlreichen Werkschauen seinen Bildern in solchem Ausmaß gerecht werden können wie...
Unter Konservativen kann es heute als ungeschriebenes und somit umso bindenderes Gesetz gelten, dass man Mütterchen Russland kulturell näherzustehen habe als Uncle Sam. Churchill nannte Russland „ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium.“ So reichhaltiges, selbst feindseitig zuerkanntes Verdunklungspotential muss wie Musik von Wetterharfen klingen in den...
Im "Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus stößt man auf den Satz: „Die Welt entgleitet uns, da sie wieder sie selbst wird“. Diese existenzielle Fremdheit, die den Philosophen des Absurden umtrieb, trifft man in sensiblen Augenblicken nicht nur im eigenen Leben wieder, sondern ebenso im globalen Phänomen der...
Das Verschwinden von Kulturen und indigenen Völkern gehört zur Struktur der modernen Welt. Teilweise können sie zwar in einer globalen Hybridkultur eine neue Rolle erlangen, doch das auch nur, wenn sie sich aus ihrer ursprünglichen Lebenswelt herauslösen. Nicht zuletzt durch die Vernichtung ganzer Urwälder kann es auch zum vollständigen...
Im Jahr 1958 schrieb der damals 28-jährige Greifswalder Herbert Nachbar (1930 – 1980) den Roman „Die gestohlene Insel“. Ungewöhnlich war der Ort der Handlung: eine Insel irgendwo in der Ostsee, in ziemlich großer Entfernung von einem Festland, das zwar deutschsprachig, aber keineswegs eindeutig die DDR war.  Die von dem...
Der Surrealismus gehört zu jenen Erscheinungen in der Malerei, denen man sich von konservativer Warte auch deswegen unbeschwert zuwenden kann, weil sie trotz ihres beargwöhnten Festhaltens am Gegenständlichen mit dem mächtigsten Persilschein ausgestattet ist, den der wankende Diskurshegemon kennt: Mit der seinerzeitigen Verfemung durch die Nationalsozialisten. Der Bannstrahl der institutionalisierten...
Über einen Essay von Thomas Bauer Das Buch "Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt" von Thomas Bauer, ein kleines Reclam-Bändchen von rund 100 Seiten, war ein Überraschungserfolg. Es liegt bereits in der neunten Auflage vor. Kürzlich hat der Autor für das Buch den Tractatus-Essaypreis erhalten. Der...
„Schöner Übermut des Herbstes“ ist der Titel des 1982 erschienenen Romans von Kurt Nowak. Der Held ist ein Professor mit dem Spezialgebiet deutsche Frühromantik, ein Mittvierziger, der sich in seiner Haut nicht länger wohlfühlt und in Klausur geht. „Alles in meinem Leben war auf meinen Tod aus. Ich war eingesperrt....
Nachdem zur Wendezeit die Literaturkritiker der Bundesrepublik die Schriftsteller der DDR fast nur noch unter dem Kollaborationsaspekt mit dem „Regime“ betrachtet hatten (Michael Stürmer und Ulrich Greiner in der Christa-Wolf-Debatte), geschah es im Jahr 2009, daß in der Wochenzeitung „Zeit“  eine verblüffende Umwertung stattfand: Alexander Cammann konzedierte, daß im...
Das Berlin der 1980er Jahre ist schmutzig, kaputt und voll im Aufbrauch. Auch wenn noch ein großer Teil der Stadt aus Ruinen besteht, von den Großmächten besetzt ist und quasi isoliert in der DDR existiert, passiert musikalisch und subkulturell unheimlich viel. Eine ganze Jugend erhebt sich - doch wogegen...