KUNST

Im Widmungsgedicht an Hugo von Hofmannsthal aus dem 'Jahr der Seele' wagt Stefan George die selbstbewusste Vorhersage, dass dem österreichischen Gefährten künftig wohl "nie wieder strofen so im ohr" mehr donnern würden wie die seinen. Tatsächlich scheinen es nicht wenige Verse aus Georges Feder darauf anzulegen, als Naturgewalten - schroff...
Die Ewige Stadt galt für nahezu zweitausend Jahre als spiritueller und weltlicher Mittelpunkt Europas. Mittlerweile allerdings offenbaren sich auch in Rom die negativen Begleiterscheinungen der modernen Welt: hohe Arbeitslosigkeit, große Müllberge, verdreckte Straßenzüge, die anhaltende Flüchtlingskrise, ein eher politischer denn katholischer Papst und vor allem gescheiterte Träume. Dennoch strahlt...
In seiner - je nach Zählung - achten oder aber siebenten Gedichtsammlung, dem 'Siebenten Ring' von 1907, überlässt Stefan George noch weit weniger dem Zufall als sonst und ohnehin schon: Der Band besteht aus sieben Abschnitten, in denen Werke gruppiert sind, deren Anzahl jeweils ein Vielfaches von Sieben beträgt. Werden...
Die Stadt Alexandria hat manchen große Dichter hervorgebracht: Kallimachos, Poseidipp, Theokrit. Sie alle stehen für ein goldenes Zeitalter antiker Lyrik in der Hochblüte des Hellenismus. Konstantinos Kavafis - oft anglisierend Cavafy genannt - lebte zwar in der gleichen Stadt wie seine großen alexandrinischen Vorgänger, doch wurde er in eine...
Wenn es um die räumlichen Grenzen seiner empfundenen Heimat ging, zeigte sich Stefan George zeitlebens weitherzig: Der Dichter fühlte sich – in Abgrenzung zum protestantisch und militaristisch durchseuchten Preußen – früh schon nahezu dem gesamten katholisch geprägten südwestdeutschen Kulturraum zugehörig, von Speyer über Bamberg bis nach München. Heimat im engsten...
Was den Sängern Gershwins „Summertime“ und den Malern ihr Arkadien, das ist den Lyrikern wohl am ehesten die ‚Blaue Stunde‘ der Dämmerung nach dem Sonnenuntergang bis zum Eintritt der vollkommenen nächtlichen Dunkelheit. Weder Ingeborg Bachmann noch Gottfried Benn kamen in ihren Werken an diesem Phänomen vorbei; und auch Stefan...
Nach Stefan Georges zumindest in seiner Außenwirkung bedeutendstem Gedicht muss man im kommerziell erfolgreichsten Band des Symbolisten nicht mühsam suchen: Mit seiner spätherbstlichen Vision eines totgesagten Parks, der trotz dieser üblen Nachrede dem andächtigen Betrachter rechtzeitig vor Wintereinbruch noch innige Naturerfahrungen beschert, eröffnet der Dichter 1897 sein ‚Jahr der Seele‘...
Die Spendung des Dichters, belehrt uns Ernst Jünger, sei stärker als die gesamte Leistung der Wissenschaften: Die Welt könne ohne Wissenschaft leben, doch ohne Dichtung nie. Dieser Umstand ließe die „normalen Leute“, so Jüngers langjähriger Brieffreund Rolf Schilling weiter, wie Schuldner des Dichters dastehen, die sich freilich vielfach als...
Nomina sunt omina. Inwiefern stecken womöglich bereits unsere Namen die Bahnen ab, die wir anschließend willenlos auszuschreiten haben? Wer beispielsweise als Illobrand von Ludwiger zur Welt kommt, dürfte im späteren Erwerbsleben weder als Postbote noch als Pizzabäcker ernst genommen werden: Ihm stehen, falls er sich nicht gerade zum zauseligen...

Seitensprung (2)

Seitensprung: Gegen die abendliche Leseunlust im Bett! Aldous Huxley – Schöne neue Welt Zumeist scheint die allgemeine Begeisterung gegenüber Dystopien darin begründet zu sein, dass diese in der Schilderung von gesellschaftlichen Ereignissen der Gegenwart sehr ähnlich werden und sich zugleich aber doch durch einen ironisch-negativen Grundton abgrenzen. So verhält es sich auch...