KUNST

Das Jahr 2020 war im wahrsten Sinne des Wortes ein düsteres für das Kino. Doch es gab auch Lichtblicke. Einen der schönsten konnten Kinointeressierte hierzulande im Herbst erhaschen: „Über die Unendlichkeit“ des Schweden Roy Andersson. Eine Kurzrezension. Bereits 2019 auf verschiedenen Festivals vorgestellt, und in Venedig mit dem Silbernen Löwen...
Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du, Schmetterling, verbrannt. Diese Verse aus Goethes „Selige Sehnsucht“ passen auf den Barockdichter Quirinus Kuhlmann (1651–1689). Sie sind angesichts von dessen Schicksal aber nicht metaphorisch, sondern erschreckend wörtlich zu verstehen: Kuhlmann ist vermutlich der einzige deutsche Dichter, der wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde....
„Die Wahrheit höchstselbst kann sich als eine große Lüge herausstellen.“ Maurice G. Dantec In Frankreich gehört Polemik seit jeher zum Standardrepertoire der Literaten. Auseinandersetzungen, Invektiven, Provokationen und Herabsetzungen werden nicht gescheut, sondern auf allen denkbaren Galligkeits- und Giftigkeitsstufen kultiviert. Auch der Science-Fiction Autor Maurice Dantec war Offensiven keinesfalls abgeneigt. Doch...
Michel Houellebecq ist das, was er nach eigenen Angaben als ein ungefährliches Individuum bezeichnen würde, nämlich ein Konservativer. In der jüngst veröffentlichten Essay- und Interviewsammlung offenbart sich der Franzose zudem als jemand, der tiefgründig über die Grundlagen seines schriftstellerischen Schaffens und die gegenwärtige Gesellschaft nachdenkt. In Deutschland gibt es zumeist...
Yaroslav Gerzhedovich, geboren 1970 in St. Petersburg, studierte Malerei an der dortigen Nicholas-Roerich-Akademie und entwickelte früh einen eigenen, an gotische, romantische und surrealistische Vorbilder angelehnten Ausdruck, der an Ernst Jüngers Wort von der „geschliffenen Dunkelheit“ als höchstem Stil denken lässt. Im Gespräch erkunden wir mit Gerzhedovich, unserem...
Mit »Ins Innere hinaus. Von den Engeln und Mächten« legt der Lyriker und Theologe Christian Lehnert seinen dritten Prosaband vor und setzt damit seine Erkundungen des Offenen, das durch keine festen Weltanschauungen eingefangen werden kann, fort. Wenn man Lehnerts Prosa wirklich gerecht werden wollte, müsste man sich in ihre Bewegung,...
Rien ne va plus! Albert Caraco wollte immer schon sterben. Doch gedachte er zunächst den Tod seiner Eltern abzuwarten, eine Rücksichtnahme, die man in seiner Philosophie sonst kaum wiederfindet. In einem letzten Brief an seinen Verleger soll er angekündigt haben, dass er nach...
Einige Zeitgenossen und Freunde sahen in der Dichtung von Konrad Weiß (1880–1940) etwas Beispielhaftes und Vollkommenes. Ich nenne nur zwei Beispiele: Carl Schmitt schrieb über Weiß etwa acht Jahre nach dessen Tod, er bleibe „der große Prüfstein“ (siehe im „Glossarium“ die Aufzeichnung vom...
Da ein deutschsprachiges Feuilleton, das auf sich hält, stets bereit sein muss dazu, Goethe-Anekdoten zum Ausgangspunkt auch der sachfremdesten Betrachtung zu machen: Vom schweren Stand, den Christiane Vulpius selbst über ihre Heirat mit dem Dichterfürsten hinaus noch in Weimarer Zirkeln innehatte, zeugt Goethes gegenüber Johanna Schopenhauer geäußerte...
Sphärische Klänge, geschwängert vom Unheimlichen. Ein unheilvolles, dunkles Grollen, das den Raum erfüllt. Wie eine noch junge Welle brandet uns das Ungewisse ans Ohr, doch es ist noch nicht Nacht. Hoffnungsvolles Vogelgezwitscher erhellt den finsteren Klangteppich, und eine entschiedene Stimme wie aus einem fernen Nirwana klagt in...