Malerei

(K)eine Ikone: 1st May 1985 Der Vorfall ist abstoßend und verlangt dem Vorstellungsvermögen einiges ab. Der serbische Bauer Djordje Martinovic aus dem Ort Gnjilane im Kosovo wird am 1. Mai 1985 mit schweren Verletzungen im Anus-Bereich in die örtliche Klinik eingeliefert. Er gibt an, auf seinem Feld...
Wer in den Groß- und Kleinkünsten traurig oder schadenfroh darauf spekuliert hatte, dass die Linien der Tradition nach dem gründlichen Nivellierungswerk des 20. Jahrhunderts auch zu Beginn des 21. weiter ins Leere laufen würden, sieht sich von immer mehr Millenials eines Besseren und Besonneneren belehrt: Lisa Eckhart...
Nomina sunt omina. Inwiefern stecken womöglich bereits unsere Namen die Bahnen ab, die wir anschließend willenlos auszuschreiten haben? Wer beispielsweise als Illobrand von Ludwiger zur Welt kommt, dürfte im späteren Erwerbsleben weder als Postbote noch als Pizzabäcker ernst genommen werden: Ihm stehen, falls er sich nicht gerade zum zauseligen...
Für halbe Sachen stellt sich Fritz Hörauf nicht zur Verfügung: Veranstaltungen in Räumlichkeiten, die einen anderen Geist als den ihm gemäßen atmen, sagt der Münchner Maler entweder von vornherein nicht zu oder aber nach reiflicher Überlegung wieder ab. Nicht so jedoch die Vernissage, die für den 10. Mai in der Villa...
„Kulturpessimist“, so stellte der Aphoristiker Michael Klonovsky einmal ebenso hellsichtig wie missvergnügt fest, „wird geheißen, wer auf dem überfluteten Vorderdeck kein Liedchen trällern mag.“ Kulturpessimist, so ließe sich diese durchaus nicht unberechtigte, vielleicht aber wohl doch einen Schuss zu schwarzgallige Einschätzung ergänzen, darf mitunter auch einfach nur geheißen werden,...
Der Illustrator betritt die Arena der Artisten unter einer Ausgangsbedingung, die im Zeitalter von Originalitätsfuror und Epigonalitätsangst vielfach als schwere Hypothek angesehen wird: Statt aus sich selbst heraus bezieht er seine Inspiration auch und gerade aus den Stoffen der Weltliteratur, aus heiligen wie profanen Schriften, aus Mythos und Märchen. Unter...
Auf die abendfüllende Frage danach, wann die ersten Verfallserscheinungen in der europäischen Kunst sichtbar wurden, gaben die Präraffaeliten eine der ungewöhnlicheren, womöglich aber auch bloß eine der konsequentesten Antworten: Nicht erst Aufklärung oder Industrialisierung, Revolutionsarchitektur oder Maschinenkunst hätten demnach die Saat aller späteren Miseren gepflanzt, sondern bereits das gemeinhin...
Der Surrealismus gehört zu jenen Erscheinungen in der Malerei, denen man sich von konservativer Warte auch deswegen unbeschwert zuwenden kann, weil sie trotz ihres beargwöhnten Festhaltens am Gegenständlichen mit dem mächtigsten Persilschein ausgestattet sind, den der wankende kulturmarxistische Hegemon kennt: Mit der seinerzeitigen Verfemung durch die Nationalsozialisten. Der Bannstrahl der...
Unter Konservativen kann es heute als ungeschriebenes und somit umso bindenderes Gesetz gelten, dass man Mütterchen Russland kulturell näherzustehen habe als Uncle Sam. Churchill nannte Russland „ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium.“ So reichhaltiges, selbst feindseitig zuerkanntes Verdunklungspotential muss wie Musik von Wetterharfen klingen in den...
Während das Heroische auf der Kino-Leinwand vorerst ein letztes Refugium gefunden zu haben scheint, ist die Zahl der Helden an und vor herkömmlichen Leinwänden merklich im Schwinden begriffen. Kaum mehr als dekorativ sieht man gegenwärtig vielerorts Staffeleien noch Spalier stehen für harmlose Selbstvermarkter, die in mittlerweile täglicher Routine -...