Malerei

Da ein deutschsprachiges Feuilleton, das auf sich hält, stets bereit sein muss dazu, Goethe-Anekdoten zum Ausgangspunkt auch der sachfremdesten Betrachtung zu machen: Vom schweren Stand, den Christiane Vulpius selbst über ihre Heirat mit dem Dichterfürsten hinaus noch in Weimarer Zirkeln innehatte, zeugt Goethes gegenüber Johanna Schopenhauer geäußerte...
Zur Kür unseres zehnten Leinwandhelden präsentieren wir an dieser Stelle lediglich einen kleinen Bruchteil der vollständigen Belobigung, die in unserer Druckausgabe – mit weiterem Anschauungsmaterial versehen – unter dem Titel 'Heim zum Uralten' nachzulesen ist. Signatur Dresden, 1836: Caspar David...
Jüngst durchfuhr mich ein Schreck, als ich der Enge des Zeitfensters gewahr wurde, in dem unsere bisherigen Leinwandhelden bequem Platz finden: Mit Clarkson Stanfield ist immerhin ein spätes Kind des halbwegs heilen 18. Jahrhunderts unter den Nobilitierten, doch ganze vier weitere Heroen von anbruch-Gnaden wurzeln im 19....
(K)eine Ikone: 1st May 1985 Der Vorfall ist abstoßend und verlangt dem Vorstellungsvermögen einiges ab. Der serbische Bauer Djordje Martinovic aus dem Ort Gnjilane im Kosovo wird am 1. Mai 1985 mit schweren Verletzungen im Anus-Bereich in die örtliche Klinik eingeliefert. Er gibt an, auf seinem Feld...
Wer in den Groß- und Kleinkünsten traurig oder schadenfroh darauf spekuliert hatte, dass die Linien der Tradition nach dem gründlichen Entknüpfungs- und Nivellierungswerk des 20. Jahrhunderts auch zu Beginn des 21. weiter ins Leere laufen würden, sieht sich von immer mehr Millenials eines Besseren und Besonneneren belehrt:...
Nomina sunt omina. Inwiefern stecken womöglich bereits unsere Namen die Bahnen ab, die wir anschließend willenlos auszuschreiten haben? Wer beispielsweise als Illobrand von Ludwiger zur Welt kommt, dürfte im späteren Erwerbsleben weder als Postbote noch als Pizzabäcker ernst genommen werden: Ihm stehen, falls er sich nicht gerade zum zauseligen...
Für halbe Sachen stellt sich Fritz Hörauf nicht zur Verfügung: Veranstaltungen in Räumlichkeiten, die einen anderen Geist als den ihm gemäßen atmen, sagt der Münchner Maler entweder von vornherein nicht zu oder aber nach reiflicher Überlegung wieder ab. Nicht so jedoch die Vernissage, die für den 10. Mai in der...
„Kulturpessimist“, so stellte der Aphoristiker Michael Klonovsky einmal ebenso hellsichtig wie missvergnügt fest, „wird geheißen, wer auf dem überfluteten Vorderdeck kein Liedchen trällern mag.“ Kulturpessimist, so ließe sich diese durchaus nicht unberechtigte, vielleicht aber wohl doch einen Schuss zu schwarzgallige Einschätzung ergänzen, darf mitunter auch einfach nur geheißen werden,...
Der Illustrator betritt die Arena der Artisten unter einer Ausgangsbedingung, die im Zeitalter von Originalitätsfuror und Epigonalitätsangst vielfach als schwere Hypothek angesehen wird: Statt aus sich selbst heraus bezieht er seine Inspiration auch und gerade aus den Stoffen der Weltliteratur, aus heiligen wie profanen Schriften, aus Mythos und Märchen. Unter...
Auf die abendfüllende Frage danach, wann die ersten Verfallserscheinungen in der europäischen Kunst sichtbar wurden, gaben die Präraffaeliten eine der ungewöhnlicheren, womöglich aber auch bloß eine der konsequentesten Antworten: Nicht erst Aufklärung oder Industrialisierung, Maschinenkunst oder Revolutionsarchitektur hätten demnach die Saat aller späteren Miseren gepflanzt, sondern bereits das gemeinhin...