Lyrik

  Der soziologische Nenner, der hinter Jahrtausenden schlief, heißt: ein paar große Männer und die litten tief. Heißt: ein paar schweigende Stunden in Sils-Maria-Wind, Erfüllung ist schwer von Wunden, wenn es Erfüllungen sind. Heißt: ein paar sterbende Krieger gequält und schattenblaß, sie heute und morgen der Sieger -: warum erschufst du das? Heißt: Schlangen schlagen die Hauer das Gift, den Biß, den Zahn, die...
Stefan George (1868-1933) war neben Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal wohl einer der größten und wirkmächtigsten Dichter der Jahrhundertwende. Auch wenn Georges Werk heute nicht die Anerkennung erfährt die ihm zusteht, so ist die Strahlkraft seiner Lyrik, für diejenigen, die dafür offen sind, ungebrochen. Das Gedicht Schlusschor: GOTTES PFAD...
Ihr, die ihr verehrt der Mandarinen Hohe Schreiberkaste Und mit feierlich verdrossnen Mienen Hockt im Amtspalaste,   Wisst, zuwider ist mir Ost und Westen, Nord und Süd geworden, Und ich bin der alten Vesten Satt und müd geworden.   Meine alte Haut hab‘ ich zerrissen An den Stachelhecken, Meine alte Haut ist abgeschlissen An den Jahresecken.   Heut streift‘ ich an dem Dornenhange Meine Haut...
Es gibt ein Distichon von Schiller („Die Sprache“), dessen zweiter Vers lautet: „Spricht die Seele, so spricht ach! schon die Seele nicht mehr.“ Die Sprache bringt die Seele in Widerspruch und Distanz zu sich selbst, indem sie ihr ein Bewusstsein ihrer selbst gibt und ihre lebendigen Regungen in die...
Das Werk Friedrich Hölderlins (1770-1843) hat zu vielfältigen und unterschiedlichsten Interpretationen eingeladen. Am Ende bleibt kaum noch etwas von dem Zauber und Klang der Sprache übrig. Wir wollen all den akademischen Lärm ausblenden und uns auf den Kern der Sprache besinnen, die Dichtung selbst. Im Walde Aber in Hütten wohnet der...