Lyrik

Schon der klangvolle Titel dieses nicht erdrückend bekannten Gedichts deutet auf einen Grenzverlauf hin. Auch England und Finnland als näher benannte Orte bleiben im engeren Assoziationsrahmen, der sich mit der Wendung vom "Saum des nordischen Meers" auftut. Doch weit eher als von räumlichen Marksteinen sprechen die 1935...
Die Ziffernfolge '1943' als Entstehungsjahr dieses Gedichts, das zu Benns bemerkenswertesten zählen dürfte, namhaft zu machen, mag gerade noch angehen. Schon die fachsimpelnde Beschäftigung aber mit Versfüßen und Reimschemata würde den Leserblick fortlenken vom Eigentlichen und hin zum so überlaufenen wie belanglosen Hochreck der Germanisten-Akrobatik.
Die Welt dreht sich weiter. Und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit, denn die politischen Spannungen und Verwerfungen werden immer größer. Auch das wissenschaftliche Weltbild gewinnt an Dominanz, legt sich über den Bereich des Sozialen und lässt das Ich als berechenbares Element in der Masse verschwinden.
Der sicher erscheinende Grund der Wirklichkeit zerbröselt: die Natur, die tradierten Residuen der Geschichte und des Geistes werden durch eine neue Konzeption der Welt verflüssigt und mit der um sich greifenden Industrialisierung hinweggespült. Es herrscht eine Atmosphäre der Entfremdung in die Gottfried Benn...
Der George-Kreis begegnet uns heute zumeist als blasses, historisches Objekt, das seine lyrische Strahlkraft kaum noch entfalten kann. Umso interessanter ist es, einen Autor zu Wort bitten zu dürfen, der persönlich eine große Leidenschaft für Stefan George hegt und darüber hinaus auch biographisch mit dem Kreis verbunden ist. In...
Im Widmungsgedicht an Hugo von Hofmannsthal aus dem 'Jahr der Seele' wagt Stefan George die selbstbewusste Vorhersage, dass dem österreichischen Gefährten künftig wohl "nie wieder strofen so im ohr" mehr donnern würden wie die seinen. Tatsächlich scheinen es nicht wenige Verse aus Georges Feder darauf anzulegen, als Naturgewalten - schroff...
In seiner - je nach Zählung - achten oder aber siebenten Gedichtsammlung, dem 'Siebenten Ring' von 1907, überlässt Stefan George noch weit weniger dem Zufall als sonst und ohnehin schon: Der Band besteht aus sieben Abschnitten, in denen Werke gruppiert sind, deren Anzahl jeweils ein Vielfaches von Sieben beträgt. Werden...
Die Stadt Alexandria hat manchen große Dichter hervorgebracht: Kallimachos, Poseidipp, Theokrit. Sie alle stehen für ein goldenes Zeitalter antiker Lyrik in der Hochblüte des Hellenismus. Konstantinos Kavafis - oft anglisierend Cavafy genannt - lebte zwar in der gleichen Stadt wie seine großen alexandrinischen Vorgänger, doch wurde er in eine...
Wenn es um die räumlichen Grenzen seiner empfundenen Heimat ging, zeigte sich Stefan George zeitlebens weitherzig: Der Dichter fühlte sich – in Abgrenzung zum protestantisch und militaristisch durchseuchten Preußen – früh schon nahezu dem gesamten katholisch geprägten südwestdeutschen Kulturraum zugehörig, von Speyer über Bamberg bis nach München. Heimat im engsten...
Was den Sängern Gershwins „Summertime“ und den Malern ihr Arkadien, das ist den Lyrikern wohl am ehesten die ‚Blaue Stunde‘ der Dämmerung nach dem Sonnenuntergang bis zum Eintritt der vollkommenen nächtlichen Dunkelheit. Weder Ingeborg Bachmann noch Gottfried Benn kamen in ihren Werken an diesem Phänomen vorbei; und auch Stefan...