Lyrik

Einige Zeitgenossen und Freunde sahen in der Dichtung von Konrad Weiß (1880–1940) etwas Beispielhaftes und Vollkommenes. Ich nenne nur zwei Beispiele: Carl Schmitt schrieb über Weiß etwa acht Jahre nach dessen Tod, er bleibe „der große Prüfstein“ (siehe im „Glossarium“ die Aufzeichnung vom...
Über Friedrich Hagen (1903–1979) las ich bei Jean Gebser: „Seine Dichtung ist ursprüngliche, geläuterte Dichtung, frei von allem Ballast des Vergangenen. Es sind Verse reiner Aussage: ein Wahrgeben, kein Evozieren; manche von einer bisher kaum erreichten Schwerelosigkeit und Durchsichtigkeit, die sich zu jener ‚universellen Bewußtheit‘ erhebt, welche...
Bei den etablierten lyrischen Stimmen des Kanons sind Qualität und Bekanntheitsgrad in etwa proportional. Für die in dieser Reihe vorgestellten „verschütteten Stimmen“ dagegen gilt, dass sich diese Werte umgekehrt proportional zueinander verhalten: einer sehr hohen Qualität entspricht ein sehr geringer Bekanntheitsgrad. Dies trifft...
Auch abseits ausgetretener Pfade, die zu Monumenten führen, findet man manch schöne Blume – manchmal sogar verwachsene Marmorbilder und von der Zeit verschüttete Giganten. Die Reihe „Verschütte Stimmen“ regt an, verkannte und zu Unrecht vergessene Dichter zu entdecken und auszugraben. Die kurzen Hinführungen und die einzelnen Gedichte...
„Rausch“ und „Traum“, „Blut“ und „Stern“ wären wohl gesetzt. „Wahn“ und „Weh“ zwar, doch ebenso „Licht“ und „Gold“, „Schatten“ und „Flamme“ dürften zum engeren Favoritenkreis zählen, bereits „Adler“ und „Schwan“ wahrscheinlich nur mehr zum erweiterten. Wenn man eine Sammelkartei anlegte, um Rolf Schillings lyrisches Opus, das 2020...
250 Jahre Hölderlin. Anlässlich dieses Jubiläums stellt der Hölderlin-Biograph Jürgen K. Hultenreich seine Lieblingsverse vor.
Die Erziehung zu einem respektablen Bürger einer Gesellschaft bringt unumgänglich auch einen Verlust von Freiheit mit sich. Doch der Jüngling kann sich noch wehren, denn er weiß von seiner überirdischen Herkunft aus dem Äther.
Vielleicht ist uns das Wagnis der Dichter, Pflanzen und Tiere anzusprechen, als seien sie Partner in einem menschlichen Dialog, durch tausendfaches Beispiel schon allzu vertraut geworden, als dass wir uns noch darüber wunderten. Wenn Hölderlins Gedicht „Die Eichbäume“ aber mehr sein soll als ein Museumsstück oder eine...
Götternacht – dieser sinnträchtige Begriff steht bei Friedrich Hölderlin für den Prozess, der später auch von Max Weber als „Entzauberung der Welt“ beschrieben werden wird: Im Zuge der neuzeitlichen, technisch-rationalen Erforschung der natürlichen Welt verliert diese endgültig ihre einstmalige Bedeutung als Heimstatt göttlicher Mächte und wird zum...
Die Anrufung des Windes. Zu Friedrich Hölderlins Hymne Andenken. Im Dezember 1801 macht sich Friedrich Hölderlin – 31 Jahre alt, in nicht ganz einfachen beruflichen und persönlichen Verhältnissen lebend, als Dichter nur wenigen Kennern geläufig, von diesen aber umso höher geschätzt – von...