Literatur

Der jüngste Roman der Vielschreiberin Juli Zeh beginnt verheißungsvoll: ein gehobener Mittelständler, Mitte dreißig, Großstädter, Vielarbeiter, Ehemann und Vater zweier kleiner Kinder, ist auf typische Weise überfordert. Seit geraumer Zeit wird er anfallartig von einem Dämon heimgesucht, den er „ES“ nennt. Sein Herz stolpert und rast in solchen Episoden und...
Lenin ist bekannt als Protagonist der russischen Oktoberrevolution. Sein Name steht synonym für den revolutionären Versuch, die alte, zaristische und kapitalistische Ordnung zu überwinden und durch eine sozialistische zu ersetzen. Zugleich sticht Lenin als ein Theoretiker hervor, der den Marxismus maßgeblich weiterentwickelte und an die zeitgenössischen Anforderungen sowie insbesondere...
Im "Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus stößt man auf den Satz: „Die Welt entgleitet uns, da sie wieder sie selbst wird“. Diese existenzielle Fremdheit, die den Philosophen des Absurden umtrieb, trifft man in sensiblen Augenblicken nicht nur im eigenen Leben wieder, sondern ebenso im globalen Phänomen der...
Das Verschwinden von Kulturen und indigenen Völkern gehört zur Struktur der modernen Welt. Teilweise können sie zwar in einer globalen Hybridkultur eine neue Rolle erlangen, doch das auch nur, wenn sie sich aus ihrer ursprünglichen Lebenswelt herauslösen. Nicht zuletzt durch die Vernichtung ganzer Urwälder kann es auch zum vollständigen...
Im Jahr 1958 schrieb der damals 28-jährige Greifswalder Herbert Nachbar (1930 – 1980) den Roman „Die gestohlene Insel“. Ungewöhnlich war der Ort der Handlung: eine Insel irgendwo in der Ostsee, in ziemlich großer Entfernung von einem Festland, das zwar deutschsprachig, aber keineswegs eindeutig die DDR war.  Die von dem...
Über einen Essay von Thomas Bauer Das Buch "Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt" von Thomas Bauer, ein kleines Reclam-Bändchen von rund 100 Seiten, war ein Überraschungserfolg. Es liegt bereits in der neunten Auflage vor. Kürzlich hat der Autor für das Buch den Tractatus-Essaypreis erhalten. Der...
„Schöner Übermut des Herbstes“ ist der Titel des 1982 erschienenen Romans von Kurt Nowak. Der Held ist ein Professor mit dem Spezialgebiet deutsche Frühromantik, ein Mittvierziger, der sich in seiner Haut nicht länger wohlfühlt und in Klausur geht. „Alles in meinem Leben war auf meinen Tod aus. Ich war eingesperrt....
Nachdem zur Wendezeit die Literaturkritiker der Bundesrepublik die Schriftsteller der DDR fast nur noch unter dem Kollaborationsaspekt mit dem „Regime“ betrachtet hatten (Michael Stürmer und Ulrich Greiner in der Christa-Wolf-Debatte), geschah es im Jahr 2009, daß in der Wochenzeitung „Zeit“  eine verblüffende Umwertung stattfand: Alexander Cammann konzedierte, daß im...
„Ich bin Madarejúwa, ein Krieger vom Volk der Tenharim, und ich habe keine Angst.“ In einem Buch, das er zusammen mit dem ZEIT-Journalisten Thomas Fischermann geschrieben hat, berichtet Madarejúwa von seinem Leben im Amazonas-Wald und den Bedrohungen, denen sein Volk ausgesetzt ist. Die Tenharim zählen inzwischen wieder 900 Menschen. Sie...
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Es ist kalt in Feuerland. Am Südzipfel des amerikanischen Kontinents, dort, wo die Elementargewalten dreier Weltmeere aufeinanderprallen, Regen und Hagel wie Eiszapfen vom Himmel fallen und eisige Winde das Atmen erschweren, hat ein Stamm seine Heimat gefunden. Die Kaweskars, die „Menschen“ wie sie sich selbst nennen, haben eine jahrtausendelange...