KUNST

Dass wir uns für Namenswitze zu schade sind, ist Reinhard Kriechbaums Glück. Sein Text über Alma Deutscher allerdings, die britische, seit 2018 in Wien wohnhafte und derzeit wohl aufhorchenswerteste Komponistin überhaupt, kann an dieser Stelle nicht ohne süffisante Kommentierung bleiben. Von Deutscher, Jahrgang 2005, hangelt sich der...
Die Anrufung des Windes. Zu Friedrich Hölderlins Hymne Andenken. Im Dezember 1801 macht sich Friedrich Hölderlin – 31 Jahre alt, in nicht ganz einfachen beruflichen und persönlichen Verhältnissen lebend, als Dichter nur wenigen Kennern geläufig, von diesen aber umso höher geschätzt – von...
Landschaft als Erfahrung und Landschaft als Imagination Sommer und Herbst des Jahres 1800 waren für Friedrich Hölderlin eine gute und überaus produktive Zeit. Im Juni folgte er einer Einladung seines vertrauten Freundes Georg Chri­stian Landauer, eines Stuttgarter Tuchhändlers, und quartierte sich in dessen...
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Mit seinem aktuellen Film 1917 hat Sam Mendes einen wirklich guten Kriegsfilm geschaffen. Und das gerade weil die Handlung so an der Oberfläche bleibt. Mit historischen Filmen ist es immer so eine Sache. Es gibt erstens viel zu viele von ihnen und zweitens werden sie...
Der Name des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima ist den meisten Menschen heute vor allem im Zusammenhang mit den außergewöhnlichen Umständen seines Todes bekannt: Am 25. November 1970 verschaffte sich der damals 45-Jährige Mishima gemeinsam mit vier Verbündeten Zutritt zum Hauptquartier der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Tokio,...
Jüngst durchfuhr mich ein Schreck, als ich der Enge des Zeitfensters gewahr wurde, in dem unsere bisherigen Leinwandhelden bequem Platz finden: Mit Clarkson Stanfield ist immerhin ein spätes Kind des halbwegs heilen 18. Jahrhunderts unter den Nobilitierten, doch ganze vier weitere Heroen von anbruch-Gnaden wurzeln im 19....
Der Kärntner Mystiker Piotr Sivec Ibn Abihi erhält den Literaturnobelpreis 2019 Feridun Zaimoglu glaubte vor Jahren schon feststellen zu müssen, daß Handke „ein schöner unschuldiger Literat war, bevor er sich maskulin aufpumpte“. Da spricht gerade der Richtige. Seit der Kieler Picaro bildungsbürgerlich zu...
Er habe eine Vorliebe für ironisches Pathos, bekennt Jean Raspail, während er den Hingang verschiedener indigener Völker und traditioneller ethnischer und religiöser Verbände beschreibt. Ohne Wehmut kommt ein Zeuge solchen Verschwindens natürlich nicht davon. Gerade dieser Tonfall, der sound, macht die literarischen Reportagen des französischen Romanciers ...
Der Rolle eines rückwärts gekehrten Propheten, wie sie Friedrich Schlegel einst dem Geschichtsschreiber zugewiesen hatte, verweigert sich der Würzburger Historiker Benjamin Hasselhorn mit Ansage: Statt vollmundig zu verkünden, warum es für den vorerst letzten deutschen Kaiser kommen musste, wie es schließlich kam, sinniert er in seiner 2018...
— Zu Rüdiger Safranskis Hölderlin-Biographie — Die lateinische Sprache kennt zwei Worte für ‚Dichter‘: poeta und vates. Poeta meint den Dichter, wie man ihn landläufig kennt: als einen, der nach bestimmten Regeln Sprachkunstwerke formt. Der vates hingegen hat noch eine weitere...