KUNST

Als mir im Frühjahr 2014 von den Verantwortlichen achselzuckend das Abitur nachgeworfen wurde, bestand darin die entschieden geringere von zwei wegweisenden Weihen im Jahreslauf: Denn höher weit als bis zur freigiebig verteilten Hochschulreife, so dachte man nachträglich bei sich, musste man wohl im selben Herbst mit der...
Jahrhunderterscheinungen wie der Lyriker und Essayist Gottfried Benn wirken weit über ihre Lebzeit hinaus und inspirieren folgende Generationen. Der Autor der nachfolgenden Zeilen ist einer dieser Inspirierten. Nicht zuletzt durch die Absolvierung eines Medizinstudiums sind beide biographisch miteinander verbunden. Auch die Kenntnis vom Einzeldasein inmitten einer...
Der späte Benn, das ist nicht mehr Schrei, Traum und Rausch. Es ist Ernüchterung. Der dionysische Materialismus des Frühwerks weicht einem resignativen Materialismus. „Menschen getroffen“ ist das Bekenntnis eines aufrichtigen Materialisten, Bekenntnis einer intellektuellen Resignation: das Sanfte und Gute ist zwar in der Welt, aber der Dichter...
In „Teils-teils“ berichtet Benn, dass in seinem amusischen Elternhaus „kein Chopin gespielt“ worden sei. Dass Benn hier gerade Chopin erwähnt, zeigt, dass dieser für ihn etwas Exemplarisches verkörperte: das vom Bürgertum vereinnahmte Genie. „Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal, / damit das Pack drauf rumlatscht!“, heißt es in „Nachtcafé“....
Schon der klangvolle Titel dieses nicht erdrückend bekannten Gedichts deutet auf einen Grenzverlauf hin. Auch England und Finnland als näher benannte Orte bleiben im engeren Assoziationsrahmen, der sich mit der Wendung vom "Saum des nordischen Meers" auftut. Doch weit eher als von räumlichen Marksteinen sprechen die 1935...
Die Ziffernfolge '1943' als Entstehungsjahr dieses Gedichts, das zu Benns bemerkenswertesten zählen dürfte, namhaft zu machen, mag gerade noch angehen. Schon die fachsimpelnde Beschäftigung aber mit Versfüßen und Reimschemata würde den Leserblick fortlenken vom Eigentlichen und hin zum so überlaufenen wie belanglosen Hochreck der Germanisten-Akrobatik.
Sein erstes Drama soll Eugène Ionesco als Kind verfasst haben. In diesem namenlos gebliebenen Stück wird zunächst gezeigt, wie eine Schar Kinder das Abendbrot isst. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel fangen die Kinder an, das Geschirr zu zerschlagen. Dann werden die Eltern kurzerhand aus dem Fenster geworfen....
Die Welt dreht sich weiter. Und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit, denn die politischen Spannungen und Verwerfungen werden immer größer. Auch das wissenschaftliche Weltbild gewinnt an Dominanz, legt sich über den Bereich des Sozialen und lässt das Ich als berechenbares Element in der Masse verschwinden.
Der sicher erscheinende Grund der Wirklichkeit zerbröselt: die Natur, die tradierten Residuen der Geschichte und des Geistes werden durch eine neue Konzeption der Welt verflüssigt und mit der um sich greifenden Industrialisierung hinweggespült. Es herrscht eine Atmosphäre der Entfremdung in die Gottfried Benn...
»Die Überwindung dieses unseligen, mit sich selbst endlos entzweiten Zustandes wäre wahre Gotteskindschaft, wäre Leben als Symbol des Ewig-Heiligen, wäre Rückkehr zur Heimat.« I. Nicht wenige unabhängige Geister, die in den Jahren zwischen 1918 und 1945 aktiv waren und dabei Eigenständiges, Sperriges zuwege...