KUNST

Fragt man in seinem cineastisch vorgebildeten Freundeskreis nach dem ungarischen Regisseur Béla Tarr, erntet man auch dort nur Achselzucken. Denn Tarr ist einer der großen unbekannten Regisseure der jüngeren Filmgeschichte. Auch wenn seine Filme auf renommierten Filmfestivals liefen und sein Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet wurde, ist er in Deutschland kaum...
Nach sechsundzwanzig Jahren meldet sich der totgeglaubte Erzähler von Faserland, dem wir die schöne Wendung „SPD-Nazi“ verdanken, zurück. Diesmal erzählt uns Christian Kracht seine SPD-Nazi-Familiengeschichte. An Christian Kracht haben Literaturkritiker und Literaturwissenschaftler gleichermaßen ihre Freude wie an kaum einem anderen zeitgenössischen deutschen Schriftsteller. Als Nachfolger zu Krachts Erstling konzipiert und...
Obwohl er ein radikaler Verächter des Fortschritts war, ist kaum ein Autor in der heutigen Popkultur derart präsent wie Howard Phillips Lovecraft. In seinen Erzählungen gewinnt die Furcht vor dem Zusammenbruch des Kosmos surreal-realistische Gestalt. Mit wissenschaftlicher Präzision vermessen sie den Kerker einer Welt ohne Gott. anbruch-Autor Arne Kolb...
Es scheint müßig, den vielen begeisterten Kritiken und Lobpreisungen des kolumbianischen Ausnahmefilms Der Schamane und die Schlange (2015) eine weitere hinzuzufügen. Doch es ist lohnenswert. Denn nur selten wurde die vielschichtige Beziehung zwischen Mensch und Natur so frei wie in diesem Werk reflektiert. Abenteuerfilm trifft auf Amazonas-Sage Der Schamane und die...
In dem neuen Roman „Sprich mit mir“ von T. C. Boyle geht es um Affen. Genauer gesagt: um wahre Affenliebe. Wobei der Ausdruck Affe es nicht trifft, denn Sam – die wahre Hauptfigur dieses Romans – ist ein Schimpanse. Schimpansen sind zoologisch betrachtet unsere nächsten Verwandten – der letzte Abzweig...
„Ich lese erst ein Buch von Martin Mosebach, wenn er seinen Figuren vernünftige Namen gibt.“ Also sprach vor einigen Tagen die Studienrätin Katharina Herrmann auf Twitter, dem letzten Rückzugsort der Vernunft. Wiewohl man die solcherart begründete Verweigerungshaltung mit gutem Recht unter Bequemlichkeitsverdacht stellen darf, bietet Martin Mosebachs jüngster Roman,...
Die 70er Jahre der Bundesrepublik sind geprägt von einer gähnenden Langeweile und allgegenwärtigem Spießertum. Für den Schriftsteller Nicolas Born ist das Zeitgeschehen der Stoff für seine Romane. Durch die literarischen Schilderung von Nicolas Born lässt sich erahnen, wie es anders sein könnte. Erinnerung an einen Rilke-Preisträger, der mit Ideologien...
Das Jahr 2020 war im wahrsten Sinne des Wortes ein düsteres für das Kino. Doch es gab auch Lichtblicke. Einen der schönsten konnten Kinointeressierte hierzulande im Herbst erhaschen: „Über die Unendlichkeit“ des Schweden Roy Andersson. Eine Kurzrezension. Bereits 2019 auf verschiedenen Festivals vorgestellt, und in Venedig mit dem Silbernen Löwen...
Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du, Schmetterling, verbrannt. Diese Verse aus Goethes „Selige Sehnsucht“ passen auf den Barockdichter Quirinus Kuhlmann (1651–1689). Sie sind angesichts von dessen Schicksal aber nicht metaphorisch, sondern erschreckend wörtlich zu verstehen: Kuhlmann ist vermutlich der einzige deutsche Dichter, der wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde....
„Die Wahrheit höchstselbst kann sich als eine große Lüge herausstellen.“ Maurice G. Dantec In Frankreich gehört Polemik seit jeher zum Standardrepertoire der Literaten. Auseinandersetzungen, Invektiven, Provokationen und Herabsetzungen werden nicht gescheut, sondern auf allen denkbaren Galligkeits- und Giftigkeitsstufen kultiviert. Auch der Science-Fiction Autor Maurice Dantec war Offensiven keinesfalls abgeneigt. Doch...