KUNST

Rien ne va plus! Albert Caraco wollte immer schon sterben. Doch gedachte er zunächst den Tod seiner Eltern abzuwarten, eine Rücksichtnahme, die man in seiner Philosophie sonst kaum wiederfindet. In einem letzten Brief an seinen Verleger soll er angekündigt haben, dass er nach...
Einige Zeitgenossen und Freunde sahen in der Dichtung von Konrad Weiß (1880–1940) etwas Beispielhaftes und Vollkommenes. Ich nenne nur zwei Beispiele: Carl Schmitt schrieb über Weiß etwa acht Jahre nach dessen Tod, er bleibe „der große Prüfstein“ (siehe im „Glossarium“ die Aufzeichnung vom...
Da ein deutschsprachiges Feuilleton, das auf sich hält, stets bereit sein muss dazu, Goethe-Anekdoten zum Ausgangspunkt auch der sachfremdesten Betrachtung zu machen: Vom schweren Stand, den Christiane Vulpius selbst über ihre Heirat mit dem Dichterfürsten hinaus noch in Weimarer Zirkeln innehatte, zeugt Goethes gegenüber Johanna Schopenhauer geäußerte...
Sphärische Klänge, geschwängert vom Unheimlichen. Ein unheilvolles, dunkles Grollen, das den Raum erfüllt. Wie eine noch junge Welle brandet uns das Ungewisse ans Ohr, doch es ist noch nicht Nacht. Hoffnungsvolles Vogelgezwitscher erhellt den finsteren Klangteppich, und eine entschiedene Stimme wie aus einem fernen Nirwana klagt in...
Über Friedrich Hagen (1903–1979) las ich bei Jean Gebser: „Seine Dichtung ist ursprüngliche, geläuterte Dichtung, frei von allem Ballast des Vergangenen. Es sind Verse reiner Aussage: ein Wahrgeben, kein Evozieren; manche von einer bisher kaum erreichten Schwerelosigkeit und Durchsichtigkeit, die sich zu jener ‚universellen Bewußtheit‘ erhebt, welche...
Das Wort und Unwort des Jahres wird definitiv Corona. Seit sechs Monaten gibt es keinen Tag ohne Corona-Nachrichten, kein Gespräch, ohne irgendwie das Thema zu berühren. Zeit das Ganze musikalisch zu beleuchten. In der Auftaktkolumne hatte ich bereits angekündigt: Eine globale Virus-Pandemie bietet einfach...
Vor hundert Jahren wurde mit dem verstörenden Roman „Wir“ der Reigen einer neuen Romangattung eröffnet, die nur im 20. Jahrhundert entstehen konnte. Der russische Ingenieur und bolschewistische Renegat Jevgenij Samjatin (1884-1937) schuf den ersten dystopischen Roman. Jevgenij Samjatin ist demnach der anerkannte Pate...
Bei den etablierten lyrischen Stimmen des Kanons sind Qualität und Bekanntheitsgrad in etwa proportional. Für die in dieser Reihe vorgestellten „verschütteten Stimmen“ dagegen gilt, dass sich diese Werte umgekehrt proportional zueinander verhalten: einer sehr hohen Qualität entspricht ein sehr geringer Bekanntheitsgrad. Dies trifft...
Wie nichts Vergleichbares steht Hollywood symbolisch für die Träume ganzer Generationen, für die cineastische Utopie und den Verwirklichungsdrang des Einzelnen. Doch das ist längst nicht alles. So sehr Hollywood auch für das genaue Gegenteil, nämlich die gescheiterten Träume steht, wird uns auch immer ein bestimmter Entwurf der...
Auch abseits ausgetretener Pfade, die zu Monumenten führen, findet man manch schöne Blume – manchmal sogar verwachsene Marmorbilder und von der Zeit verschüttete Giganten. Die Reihe „Verschütte Stimmen“ regt an, verkannte und zu Unrecht vergessene Dichter zu entdecken und auszugraben. Die kurzen Hinführungen und die einzelnen Gedichte...